Zucht
Rassehundezucht
Im Verlauf der Mensch-Hund-Beziehung haben sich, regional und nach den Umwelt- und Lebensbedingungen, unterschiedliche Hunderassen herausgebildet. Die Spannweite der Körpergrößen ist so groß wie bei keinem anderen Landwirbeltier. Der Mensch hat es verstanden, den Hund für unterschiedliche Aufgaben durch Züchtung und entsprechende Hundeerziehung zu nutzen. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist die größte internationale Dachorganisation, die Festlegungen ihrer nationalen Mitgliedsorganisationen zu Rassestandards koordiniert und publiziert sowie Regeln zur Zucht festlegt.
Urtümliche Hunde
In vielen Ländern existieren Hunderassen, die phänotypisch weitgehend
den ersten domestizierten Hunden entsprechen. Nach einer Unterteilung
der Gesellschaft für Haustierforschung gehören dazu die Paria- bzw.
Schensihunde, wie sie zum Beispiel in der Äquatorialgegend Afrikas
anzutreffen sind. Es sind Hunde, die sich lose den Menschen
angeschlossen haben und durch Fressen von Abfall toleriert werden. Das
Verhalten solcher Hunde gilt als erster Schritt der Domestikation,
geschichtlich folgte die bewusste Zucht nach gewünschtem Verhalten und
wesentlich später auch nach Ästhetik.
Die FCI führt urtümliche Hunderassen in der Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp in den Sektionen 6 bis 8.
Einteilung
der Zuchthunderassen
Eine Systematik von Zuchthunderassen muss im Zusammenhang mit der
Entwicklung der Naturwissenschaft auf der einen Seite und der Zucht
selbst auf der anderen Seite betrachtet werden. Aus der Sicht der
Versuche einer Systematisierung spielte für die Einteilung von Rassen
lange das äußere Erscheinungsbild die Hauptrolle. Abhängig von diesem
wurden äußerlich ähnliche Tiere von anderen abgegrenzt und als Rassen
bezeichnet. Parallel dazu entwickelte sich die Zucht von Haushunden.
Hier lag das Hauptaugenmerk auf der zweckbezogenen Zucht. Hunde hatten
Aufgaben, für die sie gezüchtet wurden. Die Tiere, die für die
jeweilige Verwendung am geeignetsten waren, wurden zur Zucht verwendet.
Die Zucht war also vorwiegend auf einen Verwendungszweck gerichtet,
hinter dem das Erscheinungsbild zurücktrat. Auch daraus ergab sich eine
Einteilung von Rassen – Tiere, die für den gleichen Zweck gezüchtet
wurden, wurden zu Rassen zusammengefasst. Daneben spielte der Aspekt
der regionalen Herkunft der Hunde eine Rolle für deren Zuordnung zu
Rassen. All diese Aspekte spiegeln sich in den heutigen Systematiken
von Rassen.
Vornehmlich nach ihrem Verwendungszweck werden folgende Hundetypen unterschieden:
- Hirtenhunde (wie die Sennenhunde), die den Hirten bei der Arbeit halfen darunter spezialisierte Hütehunde (beispielsweise Altdeutsche Hütehunde, Collie, Border Collie), Treibhunde (beispielsweise Appenzeller Sennenhund) und Herdenschutzhunde (beispielsweise Kuvasz)
- Hofhunde (beispielsweise Hovawart) und Wachhunde (beispielsweise Deutscher Spitz)
- Stallhunde (beispielsweise Pinscher und Schnauzer)
- Gesellschaftshunde (beispielsweise Havaneser, Papillon) und Begleithunde
- hoch spezialisierte Jagdhunde für unterschiedliche Aspekte der Jagd darunter Schweißhunde, Stöberhunde, Saupacker, Vorstehhunde, Retriever, Erdhunde, Bracken sowie Laufhunde, die in der Meute jagen, wie der Beagle
- Windhunde wie der Azawakh
Die moderne Zucht von Haushunden als Rassehundezucht ist verglichen mit dem Zeitraum der Domestizierung der Haushunde extrem jung. Sie begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit der zunehmenden Industrialisierung, hat ihren Ausgangspunkt in den höchstentwickelten Industrieländern und hängt zusammen mit den Erkenntnissen über die Gesetze der Vererbung. Erst dort begann eine systematische Zucht mit dem Ziel, bestimmte äußere Merkmale zu erreichen, und es wurden einheitliche Rassen gezüchtet. Die Zucht wurde in Zuchtbüchern und Ahnentafeln dokumentiert. Ausgangspunkt dieser Zucht waren aber zweckbezogen gezüchtete Hunde. So teilt man Rassen heute unter verschiedenen Aspekten ein. Die Problematik dieser Systematik besteht darin, dass sich im Laufe der Zucht sowohl der ursprüngliche Verwendungszweck einer Rasse als auch deren äußeres Erscheinungsbild ändert. Eine regionale Zuordnung von Zuchthunden ist meist gar nicht mehr möglich.
Eine kynologische Systematik der Hunderassen wird von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) gepflegt. Von ihr werden derzeit 340 Rassen anerkannt (Stand: April 2009). Diese Systematik ist eine historisch gewachsene und berücksichtigt nicht den Grad der genetischen Verwandtschaft zwischen den einzelnen Rassen. Im FCI-System werden alle anerkannten Hunderassen in 10 Gruppen eingeteilt, die wiederum in verschiedene Sektionen unterteilt sind:
- Gruppe 01: Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde);
- Gruppe 02: Pinscher und Schnauzer – Molossoide – Schweizer Sennenhunde und andere Rassen;
- Gruppe 03: Terrier;
- Gruppe 04: Dachshunde;
- Gruppe 05: Spitze und Hunde vom Urtyp;
- Gruppe 06: Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen;
- Gruppe 07: Vorstehhunde;
- Gruppe 08: Apportierhunde – Stöberhunde – Wasserhunde;
- Gruppe 09: Gesellschafts- und Begleithunde;
- Gruppe 10: Windhunde.
- Vorläufig angenommene Rassen
Außerhalb dieser Systematik gibt es zahlreiche von der FCI nicht anerkannte Rassen sowie eine Reihe als ausgestorben geltender Rassen wie Basset d'Artois, Braque Belge und Harlekinpinscher, die aus der FCI-Systematik gestrichen wurden.
Einige Hunderassen
Zu den kleinsten anerkannten Hunderassen gehört der Chihuahua (FCI-Nr.
218) mit einem Gewicht von 0,5–3,0 kg und einer Widerristhöhe von unter
20 cm; zu den größten Hunderassen zählen die Deutsche Dogge (FCI-Nr.
235) mit einer Widerristhöhe von mindestens 80 cm bei Rüden und der
Irish Wolfhound (FCI-Nr. 160) mit bis zu 95 cm; zu den seltenen Rassen
zählt der Curly Coated Retriever oder auch der aus chinesischer
Abstammung hervorgehende und seit mehr als 2000 Jahren dokumentierte
Shar Pei.
Qualzuchten und Verstümmelungen
Bei einigen Rassen geht die Zucht so weit, dass die Hunde
gesundheitliche Probleme erleiden, wie Kurzatmigkeit oder Augenprobleme
oder dass der Geburtsvorgang nicht mehr natürlich ablaufen kann, wie
bei der Englischen Bulldogge. Bei anderen wurden die natürlichen
Merkmale maßlos übertrieben: Faltenbildung (Shar Pei), Fellstruktur und
so weiter. Derartige Zuchtziele bezeichnet man heute als Qualzucht. Im
Jahre 2008 veröffentlichte die BBC ihre Dokumentation Pedigree Dogs
Exposed, in der fragwürdige Zuchtmethoden erstmals einer breiteren
Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden. Dies führte zu Reaktionen auch
im deutschsprachigen Raum, die sich in politischen Bemühungen für eine
Abwendung von der Qualzucht äußern.
Genetische Defekte
Bei allen Hunderassen und Mischlingen ist die Gefahr genetischer
Defekte gegeben. Diese werden besonders durch die ständige Einkreuzung
des gleichen Genmaterials begünstigt, wie es bei der Zucht in
isolierten Gebieten, wie Inseln, der Fall ist (Genetischer
Flaschenhals). Aber auch zur Erreichung von Zuchtzielen wurden und
werden manchmal genetische Defekte bewusst ausgenutzt oder in Kauf
genommen. Bekannt sind hier beispielsweise Hüftgelenksdysplasie (HD),
Ellbogengelenksdysplasie (ED), Brachyzephalie, Brachyurie, Dackellähme
oder der Merle-Faktor und andere Letalfaktoren. Die
Gelenksveränderungen sind hauptsächlich auf das willkürlich definierte
Schönheitsideal in Bezug auf den Körperbau (zum Beispiel den schräg
abfallenden Rücken des Schäferhundes oder den überlangen Rücken des
Dackels) zurückzuführen. Folgen derartiger Gendefekte können von
Schmerzen bei der Bewegung bis hin zu völliger Lähmung führen. Ein
weiterer durch Zucht entstandener Defekt am Knochengerüst ist das
Wobbler-Syndrom. Dies tritt vor allem bei langhalsigen Rassen wie dem
Dobermann und der Deutschen Dogge auf und bezeichnet mindestens einen
deformierten Halswirbel (meistens C7). Der deformierte Wirbel ist
instabil. Dies kann im schlimmsten Fall zur Verengung des
Rückenmarkskanals führen und dadurch zur Lähmung der Vorderbeine.
Ein verbreiteter Gendefekt, der speziell bei Langhaarcollies entdeckt wurde, aber auch bei mit Collies verwandten Rassen wie beim Australian Cattle Dog und bei zahlreichen anderen britischen Hütehunderassen auftritt, ist der MDR1-Defekt. Dieser verhindert die Synthese des p-Glykoproteins, welches unter anderem zur Aufrechterhaltung der Blut-Hirn-Schranke wichtig ist, wo es dafür sorgt, dass bestimmte medizinische Wirkstoffe nicht in das Gehirn gelangen können. Fehlt das p-Glykoprotein, muss die Dosis bei gewissen Medikamenten stark reduziert werden, da diese sonst tödliche Nebenwirkungen haben können.
Haltung
2008 lebten in Deutschland etwa 5 Millionen Hunde (etwa 69 % Rassehunde
und 31 % Mischlinge), in der Schweiz etwa 440.000 und in Österreich
etwa 550.000. Nach der Hauskatze ist der Hund damit das meistgehaltene
Haustier.
Hunde werden in Deutschland zu den Kleintieren gerechnet. Sie werden im
Normalfall als einzelne Individuen oder in kleinen Gruppen in
unmittelbarer Nähe des Lebensraumes ihrer Besitzer gehalten. Dies kann
zum einen die Wohnsphäre des Besitzers selbst sein, daneben ist jedoch
auch die Haltung im Freien (im Zwinger oder in Anbindehaltung) durchaus
üblich. Alle drei Formen der Haltung bergen die Gefahr nicht
tierschutzgerechter Unterbringung der Tiere in sich.
Verwilderte Haushunde (so genannte „streunende Hunde“) sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz heute fast nicht mehr anzutreffen. Zur Bekämpfung dieser streunenden Hunde wurden früher auch städtische Hundefänger eingesetzt.
Ernährung
Eine vollwertige Ernährung der Hunde erfolgt am einfachsten über die
Verfütterung qualitativ hochwertiger kommerzieller Hundefuttermittel.
Diese Fütterung stellt die Versorgung der Tiere mit essentiellen
Nahrungsbestandteilen am einfachsten sicher. Manche Hundehalter
praktizieren eine Hundeernährung mit spezieller Frischkost (BARF).
Ernährungsphysiologisch fragwürdig ist die Ernährung durch Speisereste,
da hierdurch Mangelzustände hervorgerufen werden können.
Viele menschliche Nahrungs- und Genussmittel sind für Hunde mehr oder wenig giftig, so zum Beispiel Schokolade aufgrund des enthaltenen Theobromins (→Theobrominvergiftung), aber auch Speisezwiebeln, Weintrauben und Rosinen (→Weintraubenvergiftung).
Häufige
Krankheiten
Das Spektrum der beschriebenen Hundeerkrankungen ist überaus
reichhaltig und in seiner Vielfalt mit Erkrankungen des Menschen
durchaus vergleichbar. Ausgesprochen häufige Hundekrankheiten sind:
- Sinnesorgane: Gehörgangentzündung (Otitis externa), Grauer Star, Bindehautentzündung, PRA (Progressive Retinal Atrophy, Netzhautdegeneration)
- Verdauungsorgane: Zahnstein, Magendrehung (bei großen Rassen), Futtermittelunverträglichkeiten, akute Resorptionsstörungen (Durchfall), Parasitenbefall (Bandwürmer, Fadenwürmer, Giardiose)
- Atmungsorgane: Rhinitis, sekundäre Tumorerkrankungen der Lunge
- Herz-Kreislaufsystem: Herzerweiterung (dilatative Kardiomyopathie, vor allem bei großen Rassen), Herzklappenerkrankungen (vor allem kleinere Rassen)
- Harn- und Geschlechtsorgane: Niereninsuffizienz, Gebärmuttervereiterung (Pyometra), Prostatavergrößerung, Präputialkatarrh
- hormonelle Störungen: Zuckerkrankheit, Funktionsstörungen im Bereich der Schilddrüse (Hypothyreose) und der Nebennieren (Hyperadrenokortizismus)
- Nervensystem: Epilepsie, Störungen der Nervenfunktion durch Bandscheibenvorfall (vor allem bei Rassen mit relativ langem Rücken, beispielsweise Teckel (Dackellähme))
- Haut: Atopische Dermatitis, Futterallergie, Demodikose, Räude, Malassezien-Dermatitis, Tumore der Milchdrüse
- Bewegungsapparat: Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED), Kreuzbandriss
- Infektionen: Gegen einen Großteil der früher seuchenhaft aufgetretenen Erkrankungen wie Parvovirose, Staupe oder auch Tollwut sind die meisten Hunde durch Impfungen geschützt. In den letzten Jahren nimmt der Anteil der Infektionen durch Reisekrankheiten (Leishmaniose, Babesiose, Dirofilariose oder auch der von Zecken übertragenen Borreliose) erheblich zu.
Rechtliches
Hundesteuer
Die Haltung von Haushunden ist in der Bundesrepublik Deutschland
steuerpflichtig (im Gegensatz zu der von Katzen oder Pferden). Die
Hundesteuer wird von der Gemeinde in unterschiedlicher Höhe erhoben und
teils durch eine Steuerplakette nachgewiesen. Manche Gemeinden fordern,
dass die Plakette gut sichtbar am Hund zu befestigen ist. Eine
Verpflichtung zu bestimmten Impfungen (Tollwut) gibt es in den meisten
Bundesländern nicht. Detaillierte gesetzliche Regelungen,
beispielsweise zum Leinenzwang, oder zur Haltung von so genannten
Kampfhunden sind landesspezifisch.
Registrierung
Für Haushunde besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit der Implantation eines Chips, der die Identifikation des Tieres ermöglicht. Zum Auslesen der Transpondernummer des Tieres wird ein Lesegerät benötigt, über das in der Regel Tierärzte, Tierheime und Polizeidienststellen verfügen. Einige nichtkommerzielle Organisationen wie Tasso e. V. betreiben zentrale Registrierungsstellen für entlaufene und aufgefundene Hunde; hier kann auch die Chipnummer des eigenen Tieres registriert werden. Diese Nummer ist weltweit einmalig und erlaubt im Gegensatz zur Tätowierung eine sichere Identifizierung des Hundes.
Grenzübertritt
Bei Grenzübertritt muss seit 2004 in EU-Europa ein Heimtier-Ausweis mit
gültiger Tollwutimpfung zur Identifikation mitgeführt werden, weiterhin
muss ein Chip implantiert sein, dessen Nummer im Heimtierausweis
vermerkt ist. Die Chippflicht gilt für alle Hunde und ist nicht wie bei
den „Listenhunden“ größenabhängig. Bis zum Jahre 2011 gilt
übergangsweise auch die Tätowiernummer. Der Sinn dieser Regelung ist
der Kampf gegen die Tollwut.
Haltungsbedingungen
Es gilt die Tierschutz-Hundeverordnung. Hier sind die Mindestbedingungen für Räume, Zwinger und Leinenhaltung vorgegeben.
Kampfhundproblematik
Zu allen Zeiten wurden Hunde auch im Krieg für unterschiedliche
Aufgaben eingesetzt. Später verwendete man bestimmte Rassen als
Kampfhunde, für Kämpfe mit anderen Tieren, aber auch gegeneinander
(siehe Artikel Kampfhunde). Umgangssprachlich werden bestimmte Rassen
pauschal als gefährliche „Kampfhunde“ eingestuft, ohne dass dieser
Einteilung wissenschaftlich belegbare Kriterien zugrunde liegen. Der
Begriff „Kampfhund“ wird heute fast nur noch in einschlägigen Medien
benutzt. Behördlicherseits wird Listenhund, Anlagehund, Kategoriehund
oder „soKa“ (sogenannter Kampfhund) verwendet. Die als Argument
angeführte Behauptung, dass einige Hunderassen eine genetisch bedingte
verminderte Beißhemmung hätten, ist aus wissenschaftlichen
Gesichtspunkten falsch. Unter Beißhemmung versteht man das natürliche
Verhalten eines Hundes oder Wolfes, welches die Aggressivität innerhalb
des Rudels begrenzt. So gibt es in Wolfsrudeln und auch unter Hunden
nur selten tödlich verlaufende Kämpfe, da die Tiere beispielsweise
durch „Unterwerfungsgesten“ ihre Rangordnung festlegen. Diese Muster
sind im Welpenalter erlernt und können bei fehlender Sozialisation der
Tiere gezielt unterdrückt werden, ein Effekt, welcher auf alle
Hunderassen zutrifft. Inwieweit die Veranlagung zu derartigen
Verhaltensstörungen auch vererbt werden und damit gezielt
herausgezüchtet werden kann, ist strittig. Da „Kampfhunde“ im
kriminellen Milieu den Charakter von Statussymbolen haben, werden
Welpen hier teilweise gezielt auf diese Verhaltensstörung trainiert und
auch bei der Zucht selektiert, um die soziale Stellung ihrer Besitzer
zu unterstreichen.
Ausgangspunkt der kritischen Medienberichterstattung und der skeptischen Haltung der Öffentlichkeit gegen die „Kampfhunde“ sind immer wieder – teils tödliche – Unfälle mit Vertretern dieser Rassen. Nach absoluten Zahlen aus den Statistiken der Bundesländer werden die meisten Beißunfälle in Deutschland jedoch durch Schäferhunde verursacht, welche man nicht zu den „Kampfhunden“ rechnet. Andererseits sollen Hunderassen wie der Pitbull durch die enorme Kraft ihrer Kiefermuskeln auch bereits bei versehentlichem Biss stärkere Verletzungen hervorrufen als andere Hunde gleicher Größe. Daher haben sie das Potential – besonders bei unsachgemäßem Umgang – zu einer erheblichen Gefahr zu werden. Solche Hunde stellen spezielle Anforderungen an ihre Haltung und Erziehung und benötigen einen verantwortungsbewussten Halter, so der Gesetzgeber. Diese Aussagen konnten bisher aber nicht belegt werden. Anerkannte Wissenschaftler angefangen von Günther Bloch über Dorit Urd Feddersen-Petersen bis Erik Zimen bestätigen, dass sie dafür keine Anhaltspunkte haben, und bestreiten, dass es Messungen der Beißstärken überhaupt gibt.
Brut- und Setzzeit
In den Ländern Niedersachsen und Bremen dürfen Hunde während der Brut-
und Setzzeit (1. April bis zum 15. Juli) im Bereich der „freien
Landschaft“ nicht abgeleint werden.
Sonstiges
In Deutschland gibt es keinen offiziell anerkannten Hundeführerschein, auch wenn dies von einigen Hundeschulen suggeriert wird. Die Ausbildung zum Begleithund ist ebenfalls weder vorgeschrieben, noch gesetzlich geregelt. Verschiedene Institutionen und Verbände bieten unterschiedliche Ausbildungen an, die mit Begleithundeprüfungen abgeschlossen werden, die wiederum auch wechselseitig meist nicht anerkannt werden. Rettungshundeprüfungen können nur in einer zugelassenen Rettungshundestaffel abgelegt werden.
Wer seinen Hund ausführt, ist zu Entfernung von dessen Hundekot von öffentlichen Wegen verantwortlich; die Unterlassung stellt vielerorts eine mit Ordnungsgeld oder Bußgeld belegte Ordnungswidrigkeit dar.
Kulturgeschichte
In den verschiedenen Kulturkreisen wurden und werden Hunde in teilweise
sehr unterschiedlicher Art und Weise wahrgenommen beziehungsweise
wertgeschätzt.
- In Europa und dort besonders im germanischen Kulturkreis wurden Hunde traditionell als treue Begleiter des Menschen betrachtet und etwa als Wach-, Hüte- oder Jagdhunde hoch geschätzt (vergleiche den Hund Argos in Homers Odyssee). Davon ausgehend haben sie sich in neuerer Zeit in erheblichem Umfang als Haustiere etabliert. Im deutschen redensartlichen Sprichwortschatz werden sie eher gering geschätzt („Auf den Hund gekommen, hundsgemein, krummer Hund, Hundsfott. Hundewetter, hundsmiserabel, Hundeleben, scharfer Hund, Hundejahre, Schweinehund, innerer Schweinehund“.
- Im Judentum und dem auf ihm aufbauenden Christentum ist der Hund im Allgemeinen nicht besonders angesehen. Zumeist wird von ihm in verächtlicher Weise gesprochen und er muss etwa als Bild für eine niedrige, verachtenswerte Kreatur oder als Schmähung herhalten (zum Beispiel Sprüche 26,11: „Wie ein Hund frisst, was er gespien hat …“; 2. Buch Samuel 3,8: „Bin ich denn ein Hundskopf aus Juda?“; Mt 7,6: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben“).
- Im Islam gibt es über die Unreinheit von Hunden unterschiedliche Lehrmeinungen, nach denen entweder Hund gänzlich rein oder unrein oder - dies die weitverbreitetste Position - nur der Speichel des Hundel unrein ist. Allerdings wird von Jagdhunden apportierte Beute als rein angesehen, obwohl der Hund sie in der Schnauze zurückgebracht hat. Im Koran selbst findet der Hund an drei Stellen Erwähnung, nämlich als Beispiel für Jagdtiere in Sure 5, Vers 4 in einem Vergleich eines Ungläubigen mit einem Hund in Sure 7, Vers 176 und der Name Raqīm als Name des Hundes der Siebenschläfer in Sure 18, Verse 18 und 22.
- In China steht man dem Hund weitgehend pragmatisch gegenüber. Er
wird weder verehrt noch verachtet, in manchen südlichen Provinzen dient
er sogar als Speise. In der Symbolik steht er für den Westen, den
Herbst sowie mitunter auch für Reichtum. Auch kommt ihm eine gewisse
Rolle im Bereich des Exorzismus zu: Dem Volksglauben nach müssen
Dämonen, die mit Hundeblut bespritzt werden, ihre wahre Gestalt
offenbaren. Der Hund ist das 11. Tier im chinesischen Tierkreis.



