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Domestizierung

erstellt von CAR e.V. at 04.07.2010 11:30 |
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Domestizierung

Domestizierung

Altägyptische Darstellung.

Genetische Belege

Die Domestizierung des Wolfes konnte zeitlich bisher nicht genau geklärt werden. Erste Studien zur DNA der Wölfe kamen zum Schluss, dass die Domestikation bereits vor mehr als 100.000 Jahren begonnen hätte und mehrfach unabhängig voneinander stattfand. Die zeitliche Dimension ist heute umstritten, da sie auf reinen Hochrechnungen der molekularen Uhr beruht und älteste Knochenfunde nur etwa 30.000 Jahre zurückreichen. Die heute existierenden Hunderassen lassen sich genetisch vier verschiedenen Domestikationsereignissen zuordnen. Der Haushund dürfte auch nach seiner ersten Domestikation noch lange phänotypisch dem Wolf geähnelt haben, weshalb eine eindeutige Zuordnung älterer fossiler Funde nicht immer möglich ist. Für Ostasien deutet eine molekulargenetische Untersuchung auf Haushunde vor etwa 15 000 Jahren. Kleine Hunderassen sind vor 12 000 erstmals im Vorderen Orient gefunden worden. Der Wachstumsfaktor IGF1 an heutigen kleinen Hunderassen lässt aus genetischer Sicht auf die Abstammung aus dieser Region vermuten, was als Folge der Domestizierung des orientalischen Grauen Wolfs gedeutet wird.
Die von Theophil Studer aufgestellte und noch von Konrad Lorenz vertretene Hypothese, dass der Hund mindestens teilweise vom Goldschakal (Canis aureus) abstamme, ist anhand von DNA-Analysen widerlegt worden. Weiteres zu Abstammungstheorien des Haushundes siehe Hauptartikel Urrasse.

Archäologische Funde

Die ältesten fossilen Belege für die Existenz des Haushundes stammen aus dem Jungpaläolithikum. Ein fossiler Hundeschädel aus der Goyet-Höhle in einem Nebental der Maas (bei Andenne, Belgien) wurde mittels Radiokohlenstoffdatierung auf 31.700 BP datiert, was der steinzeitlichen Kultur des Aurignaciens entspricht. Die Veränderungen am Gebiss (Schrägstellung einzelner Zähne, kulissenartige Hintereinander-Stellung mehrerer Prämolaren) und die damit verbundene Verkürzung des Fazialschädels wurden bei Hundeschädeln aus verschiedenen altsteinzeitlichen Siedlungsplätzen festgestellt, zum Beispiel auch bei den bis zu 30 000 Jahre alten Canidenresten vom Wachtberg in Krems, einem Fundplatz des Gravettiens. Die Schädelveränderung (kürzere und breitere Schnauze) aufgrund veränderten Fressverhaltens wird bereits bei diesen sehr alten Fossilfunden als Domestikationsmerkmal angesehen, was als alleinige Interpretation jedoch umstritten ist.
Von der spätpaläolithischen Fundstelle Eliseevichi 1 in der zentralrussischen Ebene (Region Brjansk) sind Hundeknochen bekannt, die auf 17 000–13 000 v. Chr. datiert werden. Die Fundstelle liegt im Dnepr-Tal am Sudost, einem Nebenfluss der Desna. Die Fauna wird durch das Wollhaarmammut dominiert und datiert in die letzte Stufe der Waldajeiszeit (entspricht der Weichseleiszeit Mitteleuropas). Kulturell wird sie dem Epi-Gravettien zugerechnet. Die Siedlung wurde zwischen 1930–1940 durch K. M. Polikarpovitch ausgegraben, wobei zwei komplette Hundeschädel gefunden wurden. Der erste lag an einer Herdstelle, ein weiterer in einer Behausung aus Mammutknochen. Die Hunde hatten eine kurze Schnauze und waren etwa 70 cm hoch. Diese Schädel von Eliseevichi und vom etwa gleich alten Fundplatz Mezhirich bei Kaniw (Ukraine) werden allgemein als älteste domestizierte Exemplare akzeptiert. Am französischen Magdalénien-Fundplatz von Saint-Germain-de-la-Rivière konnte anhand der Untersuchung stabiler Isotope in den Hundeknochen erstmals nachgewiesen werden, dass sich die Nahrungsgrundlage der Hunde den Menschen angepasst hat. Sowohl die Menschen als auch die Hunde dieser Siedlung ernährten sich überwiegend von großen Herbivoren und Lachsen.
Eindeutige Indizien der Domestizierung bieten Hunde, die mit Verstorbenen zusammen begraben wurden. Zu den ältesten Belegen einer Hundebestattung gehört das etwa 14 000 Jahre alte Doppelgrab von Oberkassel. Etwa zur selben Zeit ist auch im Natufien des Vorderen Orients die erste menschliche Bestattung mit Hund nachgewiesen, an einem Fundplatz auf der Hayonim-Terrasse im Norden Israels. Etwas jüngere Belege bieten das etwa 10 000 Jahre alte Grab von Ushki-1 (Kamtschatka), Ust'-Belaia (Sibirien) sowie die Fundplätze Vlasac und Lepenski Vir am Eisernen Tor (Serbien, Frühmesolithikum). Im Spätmesolithikum sind Hundebestattungen auch in Nordeuropa verbreitet, zum Beispiel in der skandinavischen Ertebølle-Kultur (Skateholm, Schweden).
Weit verbreitet ist der Haushund in Kulturen der Jungsteinzeit. Bereits in der ersten bäuerlichen Kultur Mitteleuropas, der Bandkeramik (seit 5500 v. Chr.), gibt es gehäuft Hunde in Gräbern und Siedlungen. Es handelt sich dabei nicht um wolfsähnliche Hunde, sondern mittelgroße Rassen, wie den Torfhund (Canis palustris). In der bandkeramischen Siedlung von Zschernitz in Sachsen wurde im Jahre 2003 ein separat bestatteter Torfhund gefunden. Ein weiterer prominenter Fund war der Torfhund von Burlage, dessen Datierung in die Bronzezeit jedoch heute umstritten ist.

Im Alten Ägypten wurden neben Menschen und Katzen auch Hunde mumifiziert.

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